Hasibärimausi

Oktober 20th, 2008

Die Paranoiker, die gerne und oft auf die Islamisierung Europas hinweisen machen und zu glauben scheinen, dass wir hier in 25 Jahren in einem Gottesstaat unter der Scharia leben werden, wird dieses Bild beunruhigen: Was wir hier sehen, ist ein Hasenpärchen, und es ist deutlich zu erkennen, welches das Weibchen ist: jenes Häslein, das verschleiert auf die Straße linst. Und jetzt werden die Paranoiker wieder sagen: Da! Da habt ihrs! Wieder ein Beweis, selbst die Hasen müssen in diesem Multi-Kulti-Sumpf mit Schleier vor der Nase herumhoppeln!

Dabei ist das gar kein Weibchen. Bloß ein Bankräuber. Mit Geisel.

Scheissrosen

Oktober 13th, 2008

Nein, hier wird keine Vorverurteilung des „Scheiß-Typs“ stattfinden, der Rosen klaut: denn er mag Gründe haben, die uns unbekannt sind. Verständnislose Vorverurteilungen sind Legion, da wird flugs aus jedem Sonnenstrahl die Klimaerwärmung, aus jedem Regentropfen El Nino, aus jedem Hasenheiden-Besucher ein Drogenkonsument, und aus Neukölln das Harlem der 70er. Ohne Rosen.

Aber Neukölln ist ein Ort stiller Hoffnung, deswegen glauben wir fest daran, dass der gute Mann (oder die gute Frau, wer weiß, vielleicht wars auch eine „Scheiß-Type“) jemandem Gutes tat mit den Rosen, sie seiner krebskranken Angebeteten schenkte vielleicht, oder dem dem Alkoholismus verfallenen Nachbarn, woraufhin sich Angebetete und Nachbar Arm in Arm lagen und leise slawische Volksweisen sangen.

Und das wäre ein guter Grund, Rosen zu klauen.

[Disclaimer: Ich wars nicht!]

Burnout

Oktober 7th, 2008

Ein ausgebranntes Autos, aus aktuellem Anlass. Schlimm genug, dass es der Brut vom Ochsenknecht erlaubt ist, Filme zu drehen. Ach, ihr kennt die Brut vom Ochsenknecht nicht? Die beiden, die nach den einzigen alkoholfreien Cocktails mexikanischen Ursprungs benannt worden sind, oder nach den Chihuahuas von Lady Di: Jimi Blue und Wilson Gonzales. Wer solche Namen hat, braucht kein Talent mehr, mögen sie sich gedacht haben, nachdem ihnen ein geneigter Sponsor Instrumente und Mikrofone schenkte, ohne eine Gebrauchsanweisung mitzuschicken.

Da nun Gonzales (an der Sonnenbrille) und Blue (an der Mütze) restloser gescheitert sind als Napoleon vor Moskau*, dachten sie sich wohl: machmas halt wie Papa, drehma nen Film. Der Film heißt „Rox“, das ist vermutlich neudeutsch und heißt Rotz.

Der Film wird übrigens im ganz und gar idyllischen Neukölln spielen, im Norden, im Reuterkiez, wo jetzt die Künstler herziehen, die auch schon mal was verkauft haben. Gedreht wird in einem Laden, der früher einem gewissen „Aksu Automaten“ gehörte, und davor steht eine Requisite, die es in Neukölln täglich zu bestaunen gibt: das Symbol für das Scheitern des Freiheitstraums, für politisch motivierte Gewalt gegen Sachen, für Weltuntergang und Syphilisgeschwüre: ein ausgebranntes Auto.

Ach jemine, denkt der geneigte Neuköllner, ein ausgebranntes Auto, wozu ist dieser Magerquark denn gut, ausgebrannte Autos gibts hier gar nicht, die gibt es nur bei den Wilden jenseits des Kanals, wo die Zivilisation endet, bei ebenjenen Wilden übrigens, die zur Mitsommerwende nackt um Feuerchen tanzen und, sobald die Essenskammer leergefuttert ist, ausgehen, ihre verfilzten Haare in den Landwehrkanal zu hängen, um anschließend daran zu suckeln, sobald sie Hunger haben oder Durst oder beides oder keins von beidem. Kurzum, wir sind hier nicht in Kreuzberg, wo es ausgebrannte Autos gibt, sondern in Neukölln, wo es keine ausgebrannten Autos gibt.

Gibt es auch nicht, wir mussten tatsächlich bis nach Kreuzberg vors Kiki Blofeld fahren, um ein passendes Auto-Symbolbild zu finden, und das war nicht mal ausgebrannt (das Auto, nicht das Symbolbild). Vom Film an und für sich würde ich erstens aus Prinzip und zweitens nach Lektüre der Pressemeldung (seit wann ist eigentlich Viva ein Presseportal für die Blagen abgehalfterter Beinahe-Weltstars mit deutschem Pass geworden?) abraten. Und zwar, wie man das in Neukölln eben so macht: pauschal und kategorisch.

*An dieser Stelle könnte ein Hitlervergleich stehen, doch obwohl dieses Newcommer-Blog einen Skandal durchaus vertragen könnte, gönne ich es weder Blau noch Heinzelmännchen, bei Vanity Fair, Bild und/oder dem Spiegel mit dem Begriff randgruppe in Verbindung gebracht zu werden, und schon gar nicht mit Hitler.