Reaktionen II

Dezember 14th, 2010

An ihren Rändern offenbart sich die Wahrheit einer Gesellschaft, heißt es. Unser Umgang mit Armen, Obdachlosen, Kranken und Alten verrät viel darüber, wie es um das aufklärerische Ideal „Humanismus“ in einem Land bestellt ist. Ein junger Berliner Autor, der 28jährige Blogger und Kulturveranstalter Fréderic Valin, hat sich nun in seinem Erzähldebüt mit den Außenseitern unserer Gesellschaft beschäftigt: „Randgruppenmitglied“ heißt sein Erstling, ein Band mit sechs Erzählungen über die Schicksale von Scheiternden unterschiedlicher sozialer Milieus. Ein mal heiterer, mal trauriger Porträtband stiller Exzentriker.

Das schreibt WDR3 als Ankündigung für einen Radiobeitrag bei „Resonanzen“. Den Beitrag gibt es hier, ganz unten auf der Seite.

Es ist wie ein Autounfall. Im Grunde mag man gar nicht hinschauen, tut es aber trotzdem. Frédéric Valin berichtet in seinem Erstling „Randgruppenmitglied“ enorm fesselnd und teilweise sehr ironisch über Schicksale von Menschen, die gesellschaftlich im Abseits stehen: Kranke, Verzweifelte oder Obdachlose sind die heimlichen Helden in diesem Erzählband.

Ferdinand Laudage auf Nahaufnahmen

Egal, ob es um passive Sexualopportunisten geht, denen „Frauen zugestoßen waren“ oder um 14-jährige Möchtegern-Punks in Cottbus („wir hatten eine ungefähre Vorstellung von Unangepasstheit“) – immer wieder drückt Frédéric Valin den Auslöser im exakt richtigen Moment ab, hat in seinen Snapshots jedes Mal die prägnanten Bilder drauf, die prägenden Bewegungen, die unanfechtbaren Belege für seine Plots und es juckt ihn keineswegs, wenn sich Pathos einschleicht. Sterben ist hart. Arm sein auch. Stilsicher nennt man solche Prosa – und talentiert.

Jan Drees auf 1Live

Den Beitrag der Buchkönigin Nina Wehner in der Morgenpost kann man leider nicht kostenlos einsehen.

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