Reaktionen I

November 13th, 2010

Anderthalb Monate sind seit der Veröffentlichung vergangen: Zeit für eine kleine Zwischenbilanz. Ich war zu Beginn etwas aufgeregt, ob und wie das Buch aufgenommen wird: man ist ein wenig hilflos, wenn man Texte, die einen so lange begleiten, der Öffentlicheit übergibt. Aber ich hätte nicht nervös werden müssen.

Uli Eder hatte besipielsweise was ganz anderes erwartet, eher irgendwas mit Fussball oder Neukölln: stattdessen aber liest man

Geschichten von Menschen, die neben der Gesellschaft, neben ihrer Beziehung, neben sich stehen. Und erkennt plötzlich: es sind Geschichten über uns selbst, die Gesellschaft, in der diese Menschen leben. Schlimmer: Man sieht sich selbst in diesen Kranken, Gescheiterten, Außenseitern. Und merkt, dass sich die Grenzen zwischen der Gesellschaft und ihrem Rand manchmal bedrohlich auf einen selbst zu bewegen.

Frédéric Valin schreibt Geschichten, die man nicht hören möchte, aber man kann nicht aufhören, sie zu lesen.

Ein wenig verlegen macht mich die Rezension bei Fritz, eine der ersten Besprechungen:

Frédéric Valin rückt seinen Figuren auf die Pelle, verliert dabei aber nie sein Feingefühl. Seine Texte sprühen vor Ironie und Beobachtungsdrang. Sie hinterlassen abwechselnd mulmige Gefühle und ein breites Grinsen. ‚Randgruppenmitglied‘ macht nachdenklich und vor allem Lust auf mehr von diesem tollen Autor.

Gerade jetzt hat Elke Brüns vom Gespenst der Armut einen Text über das Buch geschrieben, der für meine Begriffe den Kern der Randgruppenmitglieder trifft: sie sind keine Figuren mehr, sondern aus Zeit und Kontext herausgefallene Erscheinungen, die niemals den Sprung zum Archetypus schaffen werden.

Die Randgruppenmitglieder verorten sich auch für den Leser nur flüchtig am Rande der Wahrnehmung, man spürt ihnen nach, meint sie langsam zu kennen, aber schon sind sie wieder weg. Getragen werden diese luftigen Wesen weniger von den Ereignissen als vom klaren Rhythmus der Sprache.

Fürderhin: Letzte Woche war das Buch zu Gast bei MotorFM, in Lesen und Lesen lassen. Sobald ich die Soundfiles wiederfinde, stelle ich sie an dieser Stelle online. Im aktuellen Tip Berlin teile ich mir eine Seite mit dem sehr geschätzten Michael Bukowski, in der kommenden Reuterzeitung wird es auch ein Interview geben, auf das ich sehr gespannt bin, weil ich, wenn ich mich recht erinnere, viel Blödsinn erzählt habe. Für die pdfs gilt das gleiche wie für die Soundfiles.

Und am Dienstag werde ich in der Buchkönigin lesen, in der Hobrechtstraße 65 in Neukölln.

Leave a Reply