Burnout

Oktober 7th, 2008

Ein ausgebranntes Autos, aus aktuellem Anlass. Schlimm genug, dass es der Brut vom Ochsenknecht erlaubt ist, Filme zu drehen. Ach, ihr kennt die Brut vom Ochsenknecht nicht? Die beiden, die nach den einzigen alkoholfreien Cocktails mexikanischen Ursprungs benannt worden sind, oder nach den Chihuahuas von Lady Di: Jimi Blue und Wilson Gonzales. Wer solche Namen hat, braucht kein Talent mehr, mögen sie sich gedacht haben, nachdem ihnen ein geneigter Sponsor Instrumente und Mikrofone schenkte, ohne eine Gebrauchsanweisung mitzuschicken.

Da nun Gonzales (an der Sonnenbrille) und Blue (an der Mütze) restloser gescheitert sind als Napoleon vor Moskau*, dachten sie sich wohl: machmas halt wie Papa, drehma nen Film. Der Film heißt „Rox“, das ist vermutlich neudeutsch und heißt Rotz.

Der Film wird übrigens im ganz und gar idyllischen Neukölln spielen, im Norden, im Reuterkiez, wo jetzt die Künstler herziehen, die auch schon mal was verkauft haben. Gedreht wird in einem Laden, der früher einem gewissen „Aksu Automaten“ gehörte, und davor steht eine Requisite, die es in Neukölln täglich zu bestaunen gibt: das Symbol für das Scheitern des Freiheitstraums, für politisch motivierte Gewalt gegen Sachen, für Weltuntergang und Syphilisgeschwüre: ein ausgebranntes Auto.

Ach jemine, denkt der geneigte Neuköllner, ein ausgebranntes Auto, wozu ist dieser Magerquark denn gut, ausgebrannte Autos gibts hier gar nicht, die gibt es nur bei den Wilden jenseits des Kanals, wo die Zivilisation endet, bei ebenjenen Wilden übrigens, die zur Mitsommerwende nackt um Feuerchen tanzen und, sobald die Essenskammer leergefuttert ist, ausgehen, ihre verfilzten Haare in den Landwehrkanal zu hängen, um anschließend daran zu suckeln, sobald sie Hunger haben oder Durst oder beides oder keins von beidem. Kurzum, wir sind hier nicht in Kreuzberg, wo es ausgebrannte Autos gibt, sondern in Neukölln, wo es keine ausgebrannten Autos gibt.

Gibt es auch nicht, wir mussten tatsächlich bis nach Kreuzberg vors Kiki Blofeld fahren, um ein passendes Auto-Symbolbild zu finden, und das war nicht mal ausgebrannt (das Auto, nicht das Symbolbild). Vom Film an und für sich würde ich erstens aus Prinzip und zweitens nach Lektüre der Pressemeldung (seit wann ist eigentlich Viva ein Presseportal für die Blagen abgehalfterter Beinahe-Weltstars mit deutschem Pass geworden?) abraten. Und zwar, wie man das in Neukölln eben so macht: pauschal und kategorisch.

*An dieser Stelle könnte ein Hitlervergleich stehen, doch obwohl dieses Newcommer-Blog einen Skandal durchaus vertragen könnte, gönne ich es weder Blau noch Heinzelmännchen, bei Vanity Fair, Bild und/oder dem Spiegel mit dem Begriff randgruppe in Verbindung gebracht zu werden, und schon gar nicht mit Hitler.