Februar 2nd, 2015

Katia Kelm – hausaufgaben 1

Als mein Vater zurück kam waren meine Mutter und ich wieder zu Hause. Ich hatte einen dicken Verband ums Bein und war ziemlich erledigt, meine Mutter rührte verheult in ihrem Tee und meine Oma schmierte uns Knäckebrot mit Schmelzkäse als mein Vater zur Küchentür herein kam. Er habe Herrn Spabert getroffen, der habe ihm erzählt, was passiert sei. Der Fall sei klar: „sie war selbst Schuld.“

Ein Kind fällt vom Fahrrad.

Edmond Rostand – Cyrano de Bergerac

„Wie soll ich’s halten künftig? / Mir einen mächtigen Patron entdecken / Und als gemeines Schlinggewächs dem Schaft, / An dem ich aufwärts will, die Rinde lecken? / […] / Niemals! Soll ich als lust’ger Zeitvertreiber / Nach großem Ruhm in kleinem Kreise spähn […] / Für meine Verse dem Verleger, / Der sie mir druckt, bezahlen runde Summen? / […] Vor jedem Literatenklatsch erblassen / Und eifrig forschen: Werd ich anerkannt? / Hat der und jener lobend mich genannt? / Niemals! Stets rechnen, stets Besorgnis zeigen, / Lieber Besuche machen als Gedichte, / Bittschriften schreiben, Hintertreppen steigen? / Nein, niemals, niemals, niemals! – Doch im Lichte / Der Freiheit schwärmen, durch die Wälder laufen, / Mit fester Stimme, klarem Falkenblick, / Den Schlapphut übermütig im Genick, / Und je nach Laune reimen oder raufen! / Nur singen, wenn Gesang im Herzen wohnt, / Nicht achtend Geld und Ruhm, mit flottem Schwunge / Arbeiten an der Reise nach dem Mond […]“

Das hatte Benjamin Stein in seinem Text darüber, dass Schreibende sich zu Playern am Literaturmarkt haben machen lassen; übrigens genau so, wie es mancher Vollidiot der Netzavantgarde vor Jahren gefordert hat. Analog dazu beklagt Jörg den Verfall der Literaturkritik, es greift also eins ins andere.

Werner Herzog – „LESSONS OF DARKNESS“

Fact creates norms, and truth illumination.

Splitter zur offenen Frage Authentizität. For future use.

Mme Coquelicot – Es reicht.

Ich habe mich nach langen Überlegungen dazu entschieden, über meine Erlebnisse mit sexueller Gewalt in meiner ehemaligen Beziehung zu schreiben. Das schreiben fühlte sich sehr befreiend an. Ich teile meine Worte nicht nur, um meine Stimme hörbar zu machen. Ich hoffe auch, dass ich damit auch anderen, die ähnliches erlebt haben, Mut machen kann. Es hat mir sehr geholfen, mit Menschen reden zu können, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben und die mit ähnlichen Situationen umgehen müssen. Ich danke jeder einzelnen dieser wunderbaren Personen für ihre Unterstützung.

Kann man so einen Text zwischen Rostand und Herzog packen? Kann sowas mit eine Linkliste? Wie geh ich damit um, wie weise ich darauf hin, wie verhalte ich mich dazu? Ohne Kommentar auf Twitter verlinken, nur die Adresse in Facebook reinpappen? Nichts dazu sagen? Mir erschließt sich sofort das Abwinken der Freundinnen, der Vorwurf des Freundes und die allgemeine Sprachlosigkeit, als Mme Coquelicot darüber gesprochen hat; was kann man sinnvolles dazu noch sagen? Es fängt einem alles an leid zu tun.

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